Mittwoch, 10. August 2016

Gedanken am 6. August
Chögyam Trungpa war einer der ersten tibetischen Mönche, die im Westen unterrichteten. Eines seiner vielen Bücher, "Spirituellen Materialismus durchschneiden", war in den 70er Jahren eine echte Offenbarung. Damals gehörten wir zu einer mystisch christlichen Gruppe, der wir Monat für Monat zehn Prozent unseres Einkommens spendeten. Ich fühlte mich ganz schön selbstlos. Andererseits war ich oft unzufrieden mit meinem spirituellen Leben, weil sich die "tolle Erfahrung" einfach nicht einstellen wollte. Es war eine grosse Erleichterung für mich zu begreifen, dass mein Wunsch nach "mystischem Feuerwerk" (ich hatte mir zumindest eine ausserkörperliche Erfahrung erhofft) eine Form von Habgier war, ein spiritueller Materialismus, der sich in keiner Weise von dem weltlichen Materialismus unterschied, den ich durch Zahlung des Zehnten zu überwinden gehofft hatte.
Gedanken zum 5. August
Mehrere Studenten und Institutsangehörige der Tufts Medical School trafen sich in den 70 Jahren zweimal die Woche während der Mittagspause zu einem Gespräch und gemeinsamer Meditation. Das ehrwürdigste Mitglied dieser Gruppe war ein Medizinstudent, der bereits ein Theologiestudium in Harvard absolviert hatte und ausserdem ein Schüler von Ram Dass gewesen war. Eines Tages holte er ein Wurstbrot aus der Tasche heraus. Als er das entsetzte Gesicht der Teilnehmer sah, lachte er und fragte, ob sie wirklich glauben, Spiritualität bedeute, dass man unbedingt Vegetarier sein müsse.

Donnerstag, 4. August 2016

Gedanken am 4. August
Liebenswürdigkeit des Herzens äussert sich als Flexibilität, Geräumigkeit und in der Haltung "leben und leben lassen". Beispielsweise könnte es sein, dass man eine ganz bestimmte Ernährungsweise bevorzugt und bei einer Einladung zum Abendessen feststellen muss, dass die Gastgeber einen vollkommen anderen Geschmack haben. Die liebenswürdige Seele schafft es irgendwie, etwas zu essen zu finden, und erkennt die Bemühungen und den guten Willen der Freunde an. Die starre Seele dagegen hält eine Rede über die Vorzüge einer gesunden Ernährung und bildet sich dabei ein, sie tue den Gastgebern einen Gefallen.
Gedanken am 3. August
Der buddhistische Lehrer und Therapeut Jack Kornfield schreib in seinem hervorragenden Buch "Frage den Buddha und geh den Weg des Herzens" über die spirituelle Reife: "Wenn man im spirituellen Leben reift, kann man leichter mit dem Paradoxen leben und die Vieldeutigkeit des Lebens mit seinen vielen Schichten und unvermeidlichen Konflikten eher akzeptieren. Man entwickelt ein Gefühl für die Ironie des Lebens, für seine metaphorische Qualität und seine Komik." Man erwerbe auch die Fähigkeit, das Ganze, mit seiner Schönheit und Ungeheuerlichkeit, mit der Liebenswürdigkeit des Herzens anzunehmen.
Gedanken am 2. August
Da die äussere Ernte beginnt, wird es auch Zeit, die Früchte der Arbeit zu ernten, die wir durch unser spirituelles Heranreifen geleistet haben. Der Apostel Paulus spricht von dieser Arbeit in seinen Briefen an die Korinther:
Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz und eine klingende Schelle. Und wenn ich weissagen könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, so dass ich Berge versetzte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und liesse meinen Leib brennen und hätte die Liebe nicht, so wäre mir´s nicht nütze.
(1. Korinther 13, 1-3)

Sonntag, 31. Juli 2016

Gedanken am 1. August
Lammas - oder Teltane - ist das Jahreszeitenfest, das die Mitte zwischen der Sommersonnenwende und dem Herbstäquinoktium markiert. Die Tage sind zwar noch immer länger als die Nacht, aber die Sonne geht schon merklich später auf und früher unter. Der Rhythmus der Erde verändert sich, und die Energien fangen an, sich einwärts zu ziehen. Um das für eine erforderliche Ernte notwendige Gleichgewicht zwischen Sonnen- und Erdenergie zu gewährleisten, feierten die alten Kelten zu Teltane eine symbolische Hochzeit von Sonne und Erde, Männlich und Weiblich. So ist der August auch für uns die Zeit, unsere männlichen und weiblichen Aspekte ins Gleichgewicht zu bringen, auf das wir die Früchte unserer Seele ernten können.
AUGUST
Spirituelle Reife.
August ist der Monat, in dem die Natur ihre Reife feiert. Die Vogeljungen haben das Nest endgültig verlassen, und die Äste des alten Apfelbaums beugen sich unter der Last ihrer Früchte.
Auch der Gottessame gelangt in uns allmählich zur Reife, so dass wir flexibel werden, nachsichtiger gegen die verschiedenen Grautöne, die das Leben auf dem Planeten Erde kennzeichnen.
Jede Handlung wird zu einer Gelegenheit, Zuspruch und Güte zu verschenken, da wir erkennen, dass der Gottessame in jeden von uns lebt.