Donnerstag, 31. August 2017

Gedanken am 1. September (Herbstmond)

September ist der Höhepunkt der Ernte und das Einlagern
des Uberflusses der Erde. Die Erträge, die wir zurücklegen,
werden uns während des Winters ernähren, wenn wir, wie
Mutter Erde, unsere Energien von der Außenwelt zurückziehen
und sie auf die geheimnisvolle innere Dunkelheit
richten. Um die tiefen Höhlen unseres Unbewußten für die
Aufnahme der diesjährigen Früchte vorzubereiten, reinigen
die kosmischen Energien dessen Tiefen und rühren alte
Ideen, alte Angelegenheiten und alte Weisheit auf: So können
wir erkennen, was davon aufzubewahren und was über
Bord zu werfen ist, wenn wir bewußter in die große archetypische
Geschichte unseres Lebens vordringen.

Tempelarbeit:
Gedankt sei Dir, Großer Geist, für diesen Spätsommermorgen
und die Vorahnung des Herbstes, die schon in der Kühle
der Luft und den allmählich kürzer werdenden Tagen Hegt.
Da ich mich auf die Drehung des kosmischen Rads vorbereite,
rufe ich Gabriel an, daß er mich erwecke und der
WirkHchkeit meines inneren Lebens gewahr mache, damit
ich auf die Gnade eingestimmt werden möge, die der
Herbstputz meines Unbewußten herbeiholt, und imstande
sei, die Früchte des Geistes geschickter einzulagern.
Mache heute einen achtsamen Spaziergang durch die Natur. Bewahre dir ein Bewußtsein des inneren Ortes der Stille und seiner
Verbindung zu allem, was wächst und gedeiht. Finde einen
Strauch oder Baum und setze dich zu ihm. Dehne dein Bewußtsein
bis in die Pflanze hinein aus und gewahre so viel, wie du kannst,

vom Strömen ihrer Energie und dem Zyklus ihres Wachstums.

Mittwoch, 30. August 2017

Gedanken am 31. August (Erntemond)

Psalm 23 inspiriert und fasziniert die Menschen seit Tausenden
von Jahren:
Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet
mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen
Wasser. E r erquicket meine Seele. E r führet mich auf rechter
Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte
im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei
mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor
mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest
mein Haupt mit Ol und schenkst mir voll ein. Gutes und
Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich
werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Tempelarbeit:
Gehe wenn möglich hinaus in die Natur und lies Psalm 23 langsam
und aufmerksam. Versuche zu begreifen, daß er eher ein Lied
des Dankes ist für das, was Gott bereits gewährt hat, als ein Gebet
der Hoffnung. Dies ist die Seligkeit und Verheißung spiritueller

Reife.

Dienstag, 29. August 2017

Gedanken am 30. August (Erntemond)

Mit zunehmender spiritueller Reife wissen wir die Schönheit
und die einfachen Freuden des Lebens - wie die Anwesenheit
geliebter Menschen - immer mehr zu schätzen. Ich
erinnere mich an einen Winterabend, als mein Sohn Andrei,
der damals 20 Jahre alt war, mit Grippe nach Haus kam. E r
war so dankbar für die einfachen Freuden einer warmen
Wohnung, die Schmusedecke aus seiner Kindheit, in die er
sich einwickeln konnte, und eine Mutter, die ihm den Kopf
streichelte und mit ihm redete! Während ich bei diesem
großen Jungen saß, war ich mir wehmütig der Tatsache
bewußt, daß wir wahrscheinlich nicht mehr viele Abende wie
diesen zusammen verbringen würden. Ich glaube nicht, daß
ich jemals glücklicher gewesen bin als in diesem Augenblick,
dem die Erkenntnis, daß alles vergänglich ist und daß wir
nichts von dem, was wir lieben, für selbstverständlich nehmen
dürfen, eine fast unerträgliche Süße verlieh.

Tempelarbeit:
Großer Geist, wie unglaublich vielfältig und kostbar ist die
Erfahrung des Lebens! Offne mir bitte die Augen für seine
Schönheit und hilf mir, seine Unbeständigkeit zu erkennen -
die Wahrheit einzusehen, daß alles, was ich liebe, eines Tages
vergehen wird - , auf daß ich mein Herz voll überschäumender
Dankbarkeit den Gaben und Freuden des gegenwärtigen
Augenblicks zu öffnen vermöge!
Verweile für ein paar Minuten im Gebet der Sammlung oder in
der Shamatha-Vipassana-Meditation. Mache dir den Segen der
Unbeständigkeit bewußt, die uns die Seligkeit des gegenwärtigen

Augenblicks erst richtig erfahren läßt.

Montag, 28. August 2017

Gedanken am 29. August (Erntemond)

Die Schönheit der Natur ist ein Geschenk Gottes, das unser
Gemüt stillt, unsere zerfahrenen Emotionen heilt und unsere
Seele erbaut. Als ich Anfang 20 war, machte ich eine
besonders »dunkle Nacht der Seele« durch und konnte weder
im Umgang mit Menschen noch in Büchern, noch in
irgendwelchen Ablenkungen Trost finden. Logisches Nachdenken
half nicht, und von Meditation hatte ich damals noch
nichts gehört. Und selbst wenn, wäre ich wahrscheinlich viel
zu aufgewühlt gewesen, um mich konzentrieren zu können.
Im Supermarkt fühlte ich mich zu einigen Topfpflänzchen
hingezogen, also kaufte ich sie und nahm sie mit nach Haus.
Jeden Tag saß ich bei ihnen, berührte die Erde, um festzustellen,
ob sie Wasser brauchten, und sah zu, wie neue
Blättchen sprossen und sich entfalteten. Meine Seele wurde
zunehmend ruhiger. Wenn Menschen in Altersheimen
Pflanzen haben, für die sie sorgen können, steigt ihre durchschnittliche Lebenserwartung um ein Jahr.

Tempelarbeit:
Finde in deiner Wohnung, in der freien Natur oder in einem
Blumengeschäft eine Pflanze, die du zu dir nehmen und zu der du
eine Beziehung aufbauen kannst. Pflanzen lehren uns die Kunst,
Leben zu hegen und zu fördern, und belohnen uns, indem sie mehr
Schönheit und Frieden in unserer Umgebung schaffen. Es ist eine
wunderbare spirituelle Übung, für Pflanzen zu sorgen und sich

von ihnen umsorgen zu lassen.

Sonntag, 27. August 2017

Gedanken am 28. August (erntemond)

Da ich gehe, da ich gehe,
Geht das All mit mir.
In Schönheit geht es vor mir,
In Schönheit geht es hinter mir,
In Schönheit geht es unter mir,
In Schönheit geht es über mir.
Uberall ist Schönheit.
Da ich gehe, gehe ich mit der Schönheit.
- Traditionelles Gebet der Navajo

Tempelarbeit:
Mache heute morgen wenn möglich einen achtsamen Spaziergang
und betrachte dabei alles als die Schönheit Gottes, die sich rings um dich herum entfaltet. Übe dich den ganzen Tag über darin,

allenthalben Schönheit zu sehen.

Samstag, 26. August 2017

Gedanken am 27. August (Erntemond)

Der englische Dichter des 19. Jahrhunderts Edward Carpenter
schrieb von der Spiritualität als von einem geduldigen
Warten darauf, daß unsere Seele erblüht. Wir müssen darauf
vertrauen, daß sie es zu der ihr vorbestimmten Stunde schon
tun wird - und mögen wir Gott auch noch so sehr darum
anflehen, die Uhr für uns ein wenig vorzustellen! Carpenter
schildert ein geduldiges Warten der Seele, das eine ausgezeichnete
Anweisung für unsere spätsommerlichen Meditationen
darstellt: »Stille dein Herz und erkenne die Schönheit
dieser Welt und die unendlichen, grenzenlosen Schätze, die
sie birgt.«

Tempelarbeit:
Mache heute morgen wenn möglich einen achtsamen Spaziergang
durch die Natur. Strebe nach nichts außer dem klaren Bewußtsein
der Schönheit, die dich umgibt, und erlaube dieser Schönheit, die

Weisheit deines Herzens wachzurufen.

Freitag, 25. August 2017

Gedanken am 26. August (Erntemond)

Ralph Waldo Emerson war ein Mystiker, der die Entfaltung
seines Lebens der Führung anvertraute, die er empfing, indem
er sich in der Einsamkeit der Schönheit der Natur
öffnete. E r sagte: »Ein Weiser wird nie sein künftiges Sein
und Handeln verpfänden und im voraus entscheiden, was er
in einer bestimmten extremen Situation tun sollte. Die Natur
und Gott werden ihm, wenn es soweit ist, den Weg schon
weisen.«

Tempelarbeit:
Meditiere heute wenn möglich im Freien. Sieh dich um und
bewundere dankbar die Schönheit von Himmel und Erde. Ohne
die Augen zu schließen, führe die Meditation der Vereinigung von
Himmel und Erde (1. August) durch. Jetzt richte deine Aufmerksamkeit
auf deine rechte Seite - auf das Südliche Tor deines
Körpertempels - und rufe die Gegenwart des Erzengels Gabriel
an. Bete darum, daß du in allen Bereichen deines Lebens für die

Führung Gottes und der Natur offen bleiben mögest.